Donnerstag, 17. September 2009

Wahlempfehlung

Anläßlich der bevorstehenden Bundestagswahl gab der Muslim-Markt den stimmberechtigen Muslimen in Deutschland die Empfehlung, erstens mit ihrer Beteiligung den rechtsradikalen Parteien nicht die Möglichkeit zu geben, verhältnismäßig viele Stimmen zu erlangen, und zweitens von mehreren Übeln das für die Muslime geringste zu wählen, das derzeit Die Linke darstellt. Ich persönlich bin auch zu dieser Erkenntnis gelangt und stimme dem zu, obgleich auch die Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo) keine aus muslimischer Sicht schlechten Standpunkte zu vertreten scheint.
Allerdings wundere ich mich darüber, daß so viele Muslime für Die Grünen sind. Ihr Vorsitzender, Cem Özdemir, hat zwar einen türkischen Namen, ist jedoch – soweit mir bekannt – kein Muslim, sondern Alevit, und hat bezüglich des Islams bereits einige unqualifizierte Äußerungen von sich gegeben. Außerdem wirft er den Muslimen „antisemitistische“ Einstellungen vor und trat zum diesjährigen Quds-Tag auf der Seite der zionistischen Gegendemonstranten auf, anstatt auf der Seite der Muslime. Der Abgeordnete Omid Nouripour hetzt gegen die Islamische Republik Iran und scheint Säkularist, bzw. Atheist zu sein. Und über den Islam des hessischen Landesvorsitzenden Tarik al-Wazir weiß ich zu wenig, um hierüber eine Aussage machen zu können. Vergessen wir nicht, daß auch der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer eine sehr zionistenfreundliche und palästinenserfeindliche Einstellung vertritt.
Ein älterer zum Islam konvertierter Deutscher meinte bereits vor längerer Zeit zu mir, er gebe der SPD seine Stimme, da diese sich für die Belange der Arbeiter einsetze. Die Zeit, in der das so war, ist längst vorbei, und da die SPD so sehr in eine andere Richtung abgedriftet ist, hat sich ja ein Teil von ihr abgespalten und zusammen mit den Resten der SED die Linke gegründet.
Die FDP hat Jürgen Möllemann, den einzigen Freund der Araber, den es unter den bedeutenden deutschen Politikern gab, auf dem Gewissen. Sofern es sich bei seinem tragischen Tod entsprechend der offiziellen Version tatsächlich um Selbstmord handeln sollte, so haben ihn – laut Meinung seiner Witwe – seine Parteigenossen in den Tod getrieben. Der derzeitige Parteivorsitzende, Guido Westerwelle, ist nicht nur homosexuell, sondern auch zionistenfreundlich.
Es gibt Muslime, die der CDU ihre Stimme geben, da sie meinen, diese sei christlich und somit nach den religiösen Werten der Angehörigen einer anderen Schriftreligion ausgerichtet, was jedoch ein Irrtum zu sein scheint, da es sich bei diesen Christen allenfalls um Kulturchristen handelt, die dem Islam gegenüber noch feindlicher eingestellt sind als die Angehörigen der anderen Parteien. Ein älterer zum Islam konvertierter Deutscher meinte einmal, in der CDU seien die früheren Nazis untergekommen.
Merkwürdig ist jedoch, daß mir auf einer Website bei der Beantwortung von Fragen zum Positionsvergleich der zur Bundestagswahl angetretenen Parteien die NPD als diejenige Partei vorgeschlagen wurde, deren Positionen am ehesten mit den meinigen übereinstimmen. Solange die NPD islam- und fremdenfeindlich ist, ist sie für mich selbstverständlich unwählbar, aber vielleicht weist dieser elektronisch erstellte Vorschlag darauf hin, daß mir Deutschlands Schicksal und das Wohl des deutschen Volkes tatsächlich am Herzen liegen, auch wenn ich noch so sehr gegen die „bösen“ Deutschen wettere. Die meisten von ihnen sind ja nicht wirklich und von Natur aus böse, sondern gehen nur ganz gewaltig in die Irre, und man muß ihnen Gutes erweisen und ihnen den rechten Weg zeigen, nämlich denjenigen zum Islam.
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) empfiehlt denjenigen Muslimen, die sich politisch betätigen wollen, dies in innerhalb einer der bestehenden Parteien zu tun und rät ihnen davon ab, eine eigene Partei zu gründen. Unterdessen hat jedoch dieser Empfehlung ungeachtet Bruder Haluk Yildiz in Bonn zusammen mit anderen eine Partei für Muslime gegründet, in der auch Nichtmuslime mitwirken können, und die zunächst auf kommunaler und regionaler Ebene zu Wahlen antreten will.
Ich möchte den Muslimen noch eine andere Möglichkeit vorschlagen, nämlich eine außerparlamentarische Opposition zu gründen, die versucht, dem herrschenden Regime und den etablierten Parteien mit harter Kritik zuzusetzen und der angeblich freiheitlichen demokratischen Grundordnung, die immer mehr in eine Mischung Ochlokratie („Herrschaft des Pöbels“) und Plutokratie („Herrschaft des Geldes“) ausartet, eine islamische entgegenzustellen.

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